Nachfolgenden Artikel schrieb ich um das Jahr 1998, als ich mich gerade erst voll mit Homosexualität und Slash zu beschäftigen begann, meine ersten Stories schrieb und noch nicht genau wusste, was Yaoi eigentlich ist.
Inzwischen habe ich einiges kennengelernt, aber ich mag den Artikel immer noch, da einiges durchaus noch meiner Meinung entspricht und sich nicht überholt hat:
Homosexualität in der Fantasy
Zwar sind Sex und Sexualität inzwischen in aller Munde und auch in den phantastischen Genres nicht mehr wegzudenken, so daß es fast schon zum Standardrepertoire gehört, eine "erotische" Szene einzubinden (jedem Fantasy-Roman seine klitzekleine Sex-Szene) - aber ich habe immer noch das Gefühl, das gewisse Spielarten der körperlichen Liebe nur verschämt angesprochen werden.
Das ist zwar seit den achtziger Jahren besser geworden, aber noch immer wagen es Männer nur selten über Männerliebe zu schreiben, und Frauen kaum über Sex zwischen Frauen. So weit geht die Liberalisierung nun doch nicht - oder ist es - als persönliche Vermutung - gleich als homosexuell gebrandmarkt zu werden? Ich weiß es nicht.
Der frühe Fantasy-Held war natürlich immer heterosexuell, denn er mußte eine, von der Gesellschaft akzeptierte Vorbildfunktion erfüllen. Und dieser Krieger, Barbar oder Ritter kämpfte stets für seine Hohe Frau, der er in reiner inniger Liebe zugetan war, oder auch seiner schönen Geliebten, die entweder in den Tod ging, oder später seine Gemahlin wurde.
Die Frauen aber hatten sich einzig nach der Erfüllung in der Liebe zu dem „einen, für sie bestimmten“ Mann zu sehnen.
Homosexuelle Männer tauchten allerhöchstens in bereits untergehenden, extrem dekadenten Gesellschaften auf, deren keine lange Lebensdauer mehr beschieden war. Warum diese Kulturen immer einen sehr orientalischen Touch hatten spricht Bände - die sinnlichere, körperbetontere Moral Asiens muß auf uns Europäer einfach befremdlich wirken. Homosexuelle Männer jedenfalls tauchten meistens als perverse Bösewichte aus dem Adel oder alberne Schwuchteln/Hofschranzen (weil sie eben keine richtigen Männer waren) auf. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Barbarenfilme, in denen diese alte Regeln aufrecht erhalten wurden.
Geschminkte, gestylte Männer sprachen meistens mit der klischeehaften Fistelstimme und bedrängten oder nervten den Helden mit ihren Avancen und ihrem zimperlichen Getue. Hin und wieder gab es auch die greisen Lüstlinge, die den jugendlichen Helden getreu griechischer Tradition vernaschen wollten.
Oder der Held hatte andeutungsweise in seiner Jugend die Männerliebe ausprobiert, das dann aber irgendwann sein lassen, weil es nicht "richtig" oder männlich war.
Die lesbischen Frauen waren nicht minder böse als ihre männlichen Widerparts. Sie treten zumeist als peitschenschwingende Dominas in Leder und Lack auf. Oder sie waren laszive Weiber, die der Held (oder seine Gefährtin) bestrafen mußten, während die Heldin durch die Annäherungsversuche ihrer Geschlechtsgenossin nur geprüft wurde. Anders als bei der Beziehung zu einem Mann konnte ja mit einer Frau zusammen "nichts passieren".
Eines der bekanntesten Beispiel ist Königin Gedren aus "Red Sonja", die die Titelheldin eigentlich für sich wollte, und deren Widerstand auf perverse Art bestrafen ließ.
Ihr dürft aber auch nicht vergessen, daß ein Großteil der Fantasy aus Amerika kommt, einem Land, in dem es ziemlich strenge Gesetze und Kodizes über Erotik gibt, während in unseren Landen die Gewalt ein größeres Problem darstellt. Jenseits des großen Teichs haben fundamentalistische Christen und andere konservative Gruppen viel mehr Einfluß auf das öffentliche Leben, so daß Sex oder gar Homosexualität nur angedeutet werden darf. Es ist z. B. verboten auch nur nackte Brustwarzen zu zeigen, wenn ein Comic oder ein Film jugendfrei sein sollen.
Eine nette Anekdote am Rande wird über einen der bekanntesten Monumentalfilme erzählt: Dem Schauspieler Stephen Boyd wurde in einer Szene des Films "Ben Hur" die Anweisung gegeben, die Wiederbegegnung des Römers Messalla mit seinen Freund Judah ben Hur so zu spielen, als seien die beiden in ihrer Jugend ein Liebespaar gewesen. Dem stockkonservativen Charlton Heston wurde natürlich nichts davon gesagt.
Interessanterweise war und ist das Liebesspiel von Frauen im phantastischen Sektor eher in Filmen oder auf Bildern zu sehen, und nicht so mit dem Mythos des "Abartigen" versehen. Gerade im graphischen Bereich haben sich Künstler wie Boris Valleyo und Luis Royo unter anderem mit erotischen Frauenpaaren hervorgehoben. Ich kann nur vermuten, daß Bondage-Szenarien, in denen Frauen Frauen folterten leichter Eingang in die phantastische Literatur fanden, weil die dort ausgeübte Gewalt nicht so deutlich ist, und die zumeist männlichen Leser so gleich zwei schöne Frauen statt einer zu sehen bekommen.
Und hier komme ich zu einem interessanten Punkt: Ich lese mittlerweile seit 20 Jahren Fantasy und SF, und soweit ich mich erinnere haben in der ganzen Zeit, und in den vielen Büchern eigentlich immer nur Frauen positiv über homosexuelle Männer geschrieben, während lesbische Frauenpaare zum einen seltener auftauchten, und zum anderen von Frauen und Männern beschrieben wurden. Gerade die feministischen Autorinnen der 80ger Jahre, nahmen in dieser Hinsicht kein Blatt vor den Mund.
Homoerotische Männer wurden - meines Wissens - durch Marion Zimmer Bradley und einige andere Autorinnen der späten 70ger Jahre hoffähig gemacht. Es schien und scheint vor allem Autorinnen zu faszinieren, sich in einen Mann hinein zu versetzen, der einen anderen Mann liebt und sein Seelenleben auseinander zu nehmen und zu überlegen, ob er nicht vielleicht auch so wie eine Frau reagieren könnte, wenn es um Nähe, Zuneigung und Trennung geht. Marion Zimmer Bradley zeigt Innenleben und äußerliche Probleme sehr gut an ihren frühen darkovanischen Helden und Heldinnen: Regis Hastur, Rafaella und Camilla. Der eine mag sich einfach - ohne besonderen Grund körperlich zu seinem Freund hingezogen fühlen, und eher mit den Vorurteilen seiner Umgebung über seine Veranlagung zu kämpfen haben. Manche der freien Amazonen oder jungen Lords haben aber auch zu viele Enttäuschungen mit dem anderen Geschlecht erlebt.
Mercedes Lackey, von deren Hauptzyklus über das Land Valdemar leider nur eine Trilogie in Deutschland erschienen ist, hat sich ausführlich mit homosexuellen Männern beschäftigt - ihr Erkennen, daß sie sich einfach nicht zu Frauen hingezogen fühlen, ihre Probleme, das der Umwelt klar zu machen, und die üblichen kleinen Streitereien, Freuden und Probleme, die jede Beziehung so mit sich bringt.
Im Comicsektor gibt es einige wenige Beispiele, in denen das Thema nicht tabuisiert wird. Die Elfen in Elfquest sind deutlich als bisexuell gekennzeichnet, und eine (leider nicht in Deutschland erscheinende) Reihe von der Zeichnerin Coleen Doran namens "A Distant Soil" beschäftigt sich in geradezu offener und unkomplizierter Weise mit der Liebe zwischen zwei der Haupthelden - dem jungen, durch sein Amt und die anderen Adligen eingeengten, Avatar seines Volkes und seinem engsten Vertrauten, eigentlich einem Sklaven, der von einem Planeten kommt auf dem es Männerharems gibt ("Womit solltet ihr, jungen Männer euch sonst in eurem Harem beschäftigen!"). Interessant wird es, als sich eine Frau in diese Beziehung einmischt.
Zumindest hat die intensive Beschäftigung mit gleichgeschlechtlichen Paaren dafür gesorgt, daß allgemein in der Fantasy Literatur Homosexualität nicht mehr so stark mit dem Hauch des Perversen und Abartigen behaftet ist und auch als positive Figuren auftreten. Wenngleich Held oder Heldin sich letztendlich zum anderen Geschlecht hingezogen fühlen sollen, so dürfen sie doch ausprobieren.
Doch noch viel faszinierender ist die unausgesprochene Spannung zwischen manchen Männerpaaren in Romanen, Film und Fernsehen geworden. Wer sich einmal die modernen Fantasy-Serien anschaut, kann da so einige Beispiele finden: "Hercules" und "Xena" sind Paradebeispiele für das unausgesprochene Kribbeln zwischen den Charakteren. Während die Beziehung zwischen Xena und Gabrielle eigentlich schon unübersehbar ist (bei all dem in den Arm nehmen, zärtlich aneinanderdrücken etc.), so steckt auch zwischen Herc und seinem Freund einiges an Potential. Wenn ihr euch die Szenen zwischen Methos und Duncan in "Highlander" anschaut, so benehmen sich die beiden durchaus auch manchmal wie ein altes Paar.
Weitere Beispiele gefällig? In den "X-Files" lieben und hassen sich Mulder und Krychek. Die Freundschaft zwischen Garak und Julian Bashir in DS9 wurde entschärft, weil sie sich in diese Richtung entwickelte!
Ohne gleich irgendwelche Absichten der Drehbuchautoren zu unterstellen - ich finde es schön, auch Freundschaft etwas zärtlicher als früher darzustellen, denn das ebnet den Weg für die Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Liebe. Es muß nichts zwischen den Helden laufen, aber es könnte.
Und dieses "KÖNNTE" hat in der Fanszene übrigens zu einem Untergenre des geführt, dem sogenannten "/" (= Slash). Die Autorinnen (ich verwende hier nur die weibliche Form, da meines Wissens nur Frauen solche Geschichten schreiben) entwickelte sich in den 70ger Jahren im Star Trek Fandom. Einige Fans sahen in der Freundschaft zwischen Kirk und Spock mehr und machten aus ihnen letztendlich ein Paar mit allen Konsequenzen. Das wurde dann genreübergreifend auf die Krimiserien mit ihren Männerpaaren ausgeweitet: "Starsky und Hutch", "Die Profis", "Solo für O.N.K.E.L" etwa. Es waren zwangsläufig nicht immer die Partner mit denen die Helden ins Bett stiegen, es konnten auch immer wiederkehrende Feinde sein, mit denen die Charaktere eine besondere Haßliebe verband. Natürlich waren auch die späteren Star-Trek-Serien nicht vor den Autorinnen sicher. Da wurde Picard mit Riker oder Q ins Bett gesteckt, Sisko durfte Gul Dukat ganz lieb haben... Für Babylon 5 sind mir Garibaldi/Sinclair oder Marcus/Lennier-Geschichten bekannt. Was können die Autorinnen nun eigentlich beschreiben? Zum einen geht es da um das Erkennen, daß man den anderen liebt und die durcheinandergewirbelte Gefühlswelt, der Weg den anderen ins Bett zu kriegen wird beschrieben, die kleinen Eifersüchteleien, Vertrauensbrüche und anderen Schwierigkeiten wie in jeder Partnerschaft. Dann gibt es die "Hurt & Comfort"-Geschichten, in denen einer der Partner von den Feinden gequält wird, so daß der andere ihn retten und trösten muß. Kurzum all die Facetten, die es auch in Hetero-Geschichten gibt, nur daß der Part der Frau dann von einem der Männer übernommen wird (bei Frauenpaaren - die sind hier sehr selten - natürlich umgekehrt).
Im Rollenspielbereich halten sich die Autoren und Designer eher bedeckt: AD&D und andere Klassiker der amerikanischen Rollenspielszene halten immer noch energisch an den alten Rollenbildern fest und lassen wenn, Homosexuelle in der Bösenriege auftauchen oder sonst wie verwerflich handeln. Bei DSA gibt es Lesbenpaare, und mit dem Thema Homosexualität wird im Allgemeinen etwas lockerer umgegangen, wenn es aus Jugendschutzgründen auch nicht an die große Glocke gehängt wird.
Die Storyteller-Systeme wie "Vampire" bieten hingegen ein großes Potential für homosexuelle Charaktere - schon der Akt der Erschaffung eines neues Vampirkindes ist ein sehr intimer Vorgang, und die Verbundenheit zwischen beiden kann durchaus mit zu einer solchen Partnerbindung führen. Wie stark das in solchen Spielen wie "Cyberpunk" oder "Shadowrun" thematisiert werden kann, weiß ich nicht, da ich zu wenig von beiden weiß.
Letztendlich kann ich festhalten, daß sich in den letzten Jahren viel um das Thema getan hat, wenn auch noch nicht in allen Bereichen, aber es hat sich doch so manches zum Besseren gewendet. Damit will ich auch meinen kurzen Streifzug enden.
(c) 7/98 (daher noch ADR)
Inzwischen habe ich einiges kennengelernt, aber ich mag den Artikel immer noch, da einiges durchaus noch meiner Meinung entspricht und sich nicht überholt hat:
Wenn Männer Männer
und
Frauen Frauen
lieben
und
Frauen Frauen
lieben
Homosexualität in der Fantasy
Zwar sind Sex und Sexualität inzwischen in aller Munde und auch in den phantastischen Genres nicht mehr wegzudenken, so daß es fast schon zum Standardrepertoire gehört, eine "erotische" Szene einzubinden (jedem Fantasy-Roman seine klitzekleine Sex-Szene) - aber ich habe immer noch das Gefühl, das gewisse Spielarten der körperlichen Liebe nur verschämt angesprochen werden.
Das ist zwar seit den achtziger Jahren besser geworden, aber noch immer wagen es Männer nur selten über Männerliebe zu schreiben, und Frauen kaum über Sex zwischen Frauen. So weit geht die Liberalisierung nun doch nicht - oder ist es - als persönliche Vermutung - gleich als homosexuell gebrandmarkt zu werden? Ich weiß es nicht.
Der frühe Fantasy-Held war natürlich immer heterosexuell, denn er mußte eine, von der Gesellschaft akzeptierte Vorbildfunktion erfüllen. Und dieser Krieger, Barbar oder Ritter kämpfte stets für seine Hohe Frau, der er in reiner inniger Liebe zugetan war, oder auch seiner schönen Geliebten, die entweder in den Tod ging, oder später seine Gemahlin wurde.
Die Frauen aber hatten sich einzig nach der Erfüllung in der Liebe zu dem „einen, für sie bestimmten“ Mann zu sehnen.
Homosexuelle Männer tauchten allerhöchstens in bereits untergehenden, extrem dekadenten Gesellschaften auf, deren keine lange Lebensdauer mehr beschieden war. Warum diese Kulturen immer einen sehr orientalischen Touch hatten spricht Bände - die sinnlichere, körperbetontere Moral Asiens muß auf uns Europäer einfach befremdlich wirken. Homosexuelle Männer jedenfalls tauchten meistens als perverse Bösewichte aus dem Adel oder alberne Schwuchteln/Hofschranzen (weil sie eben keine richtigen Männer waren) auf. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Barbarenfilme, in denen diese alte Regeln aufrecht erhalten wurden.
Geschminkte, gestylte Männer sprachen meistens mit der klischeehaften Fistelstimme und bedrängten oder nervten den Helden mit ihren Avancen und ihrem zimperlichen Getue. Hin und wieder gab es auch die greisen Lüstlinge, die den jugendlichen Helden getreu griechischer Tradition vernaschen wollten.
Oder der Held hatte andeutungsweise in seiner Jugend die Männerliebe ausprobiert, das dann aber irgendwann sein lassen, weil es nicht "richtig" oder männlich war.
Die lesbischen Frauen waren nicht minder böse als ihre männlichen Widerparts. Sie treten zumeist als peitschenschwingende Dominas in Leder und Lack auf. Oder sie waren laszive Weiber, die der Held (oder seine Gefährtin) bestrafen mußten, während die Heldin durch die Annäherungsversuche ihrer Geschlechtsgenossin nur geprüft wurde. Anders als bei der Beziehung zu einem Mann konnte ja mit einer Frau zusammen "nichts passieren".
Eines der bekanntesten Beispiel ist Königin Gedren aus "Red Sonja", die die Titelheldin eigentlich für sich wollte, und deren Widerstand auf perverse Art bestrafen ließ.
Ihr dürft aber auch nicht vergessen, daß ein Großteil der Fantasy aus Amerika kommt, einem Land, in dem es ziemlich strenge Gesetze und Kodizes über Erotik gibt, während in unseren Landen die Gewalt ein größeres Problem darstellt. Jenseits des großen Teichs haben fundamentalistische Christen und andere konservative Gruppen viel mehr Einfluß auf das öffentliche Leben, so daß Sex oder gar Homosexualität nur angedeutet werden darf. Es ist z. B. verboten auch nur nackte Brustwarzen zu zeigen, wenn ein Comic oder ein Film jugendfrei sein sollen.
Eine nette Anekdote am Rande wird über einen der bekanntesten Monumentalfilme erzählt: Dem Schauspieler Stephen Boyd wurde in einer Szene des Films "Ben Hur" die Anweisung gegeben, die Wiederbegegnung des Römers Messalla mit seinen Freund Judah ben Hur so zu spielen, als seien die beiden in ihrer Jugend ein Liebespaar gewesen. Dem stockkonservativen Charlton Heston wurde natürlich nichts davon gesagt.
Interessanterweise war und ist das Liebesspiel von Frauen im phantastischen Sektor eher in Filmen oder auf Bildern zu sehen, und nicht so mit dem Mythos des "Abartigen" versehen. Gerade im graphischen Bereich haben sich Künstler wie Boris Valleyo und Luis Royo unter anderem mit erotischen Frauenpaaren hervorgehoben. Ich kann nur vermuten, daß Bondage-Szenarien, in denen Frauen Frauen folterten leichter Eingang in die phantastische Literatur fanden, weil die dort ausgeübte Gewalt nicht so deutlich ist, und die zumeist männlichen Leser so gleich zwei schöne Frauen statt einer zu sehen bekommen.
Und hier komme ich zu einem interessanten Punkt: Ich lese mittlerweile seit 20 Jahren Fantasy und SF, und soweit ich mich erinnere haben in der ganzen Zeit, und in den vielen Büchern eigentlich immer nur Frauen positiv über homosexuelle Männer geschrieben, während lesbische Frauenpaare zum einen seltener auftauchten, und zum anderen von Frauen und Männern beschrieben wurden. Gerade die feministischen Autorinnen der 80ger Jahre, nahmen in dieser Hinsicht kein Blatt vor den Mund.
Homoerotische Männer wurden - meines Wissens - durch Marion Zimmer Bradley und einige andere Autorinnen der späten 70ger Jahre hoffähig gemacht. Es schien und scheint vor allem Autorinnen zu faszinieren, sich in einen Mann hinein zu versetzen, der einen anderen Mann liebt und sein Seelenleben auseinander zu nehmen und zu überlegen, ob er nicht vielleicht auch so wie eine Frau reagieren könnte, wenn es um Nähe, Zuneigung und Trennung geht. Marion Zimmer Bradley zeigt Innenleben und äußerliche Probleme sehr gut an ihren frühen darkovanischen Helden und Heldinnen: Regis Hastur, Rafaella und Camilla. Der eine mag sich einfach - ohne besonderen Grund körperlich zu seinem Freund hingezogen fühlen, und eher mit den Vorurteilen seiner Umgebung über seine Veranlagung zu kämpfen haben. Manche der freien Amazonen oder jungen Lords haben aber auch zu viele Enttäuschungen mit dem anderen Geschlecht erlebt.
Mercedes Lackey, von deren Hauptzyklus über das Land Valdemar leider nur eine Trilogie in Deutschland erschienen ist, hat sich ausführlich mit homosexuellen Männern beschäftigt - ihr Erkennen, daß sie sich einfach nicht zu Frauen hingezogen fühlen, ihre Probleme, das der Umwelt klar zu machen, und die üblichen kleinen Streitereien, Freuden und Probleme, die jede Beziehung so mit sich bringt.
Im Comicsektor gibt es einige wenige Beispiele, in denen das Thema nicht tabuisiert wird. Die Elfen in Elfquest sind deutlich als bisexuell gekennzeichnet, und eine (leider nicht in Deutschland erscheinende) Reihe von der Zeichnerin Coleen Doran namens "A Distant Soil" beschäftigt sich in geradezu offener und unkomplizierter Weise mit der Liebe zwischen zwei der Haupthelden - dem jungen, durch sein Amt und die anderen Adligen eingeengten, Avatar seines Volkes und seinem engsten Vertrauten, eigentlich einem Sklaven, der von einem Planeten kommt auf dem es Männerharems gibt ("Womit solltet ihr, jungen Männer euch sonst in eurem Harem beschäftigen!"). Interessant wird es, als sich eine Frau in diese Beziehung einmischt.
Zumindest hat die intensive Beschäftigung mit gleichgeschlechtlichen Paaren dafür gesorgt, daß allgemein in der Fantasy Literatur Homosexualität nicht mehr so stark mit dem Hauch des Perversen und Abartigen behaftet ist und auch als positive Figuren auftreten. Wenngleich Held oder Heldin sich letztendlich zum anderen Geschlecht hingezogen fühlen sollen, so dürfen sie doch ausprobieren.
Doch noch viel faszinierender ist die unausgesprochene Spannung zwischen manchen Männerpaaren in Romanen, Film und Fernsehen geworden. Wer sich einmal die modernen Fantasy-Serien anschaut, kann da so einige Beispiele finden: "Hercules" und "Xena" sind Paradebeispiele für das unausgesprochene Kribbeln zwischen den Charakteren. Während die Beziehung zwischen Xena und Gabrielle eigentlich schon unübersehbar ist (bei all dem in den Arm nehmen, zärtlich aneinanderdrücken etc.), so steckt auch zwischen Herc und seinem Freund einiges an Potential. Wenn ihr euch die Szenen zwischen Methos und Duncan in "Highlander" anschaut, so benehmen sich die beiden durchaus auch manchmal wie ein altes Paar.
Weitere Beispiele gefällig? In den "X-Files" lieben und hassen sich Mulder und Krychek. Die Freundschaft zwischen Garak und Julian Bashir in DS9 wurde entschärft, weil sie sich in diese Richtung entwickelte!
Ohne gleich irgendwelche Absichten der Drehbuchautoren zu unterstellen - ich finde es schön, auch Freundschaft etwas zärtlicher als früher darzustellen, denn das ebnet den Weg für die Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Liebe. Es muß nichts zwischen den Helden laufen, aber es könnte.
Und dieses "KÖNNTE" hat in der Fanszene übrigens zu einem Untergenre des geführt, dem sogenannten "/" (= Slash). Die Autorinnen (ich verwende hier nur die weibliche Form, da meines Wissens nur Frauen solche Geschichten schreiben) entwickelte sich in den 70ger Jahren im Star Trek Fandom. Einige Fans sahen in der Freundschaft zwischen Kirk und Spock mehr und machten aus ihnen letztendlich ein Paar mit allen Konsequenzen. Das wurde dann genreübergreifend auf die Krimiserien mit ihren Männerpaaren ausgeweitet: "Starsky und Hutch", "Die Profis", "Solo für O.N.K.E.L" etwa. Es waren zwangsläufig nicht immer die Partner mit denen die Helden ins Bett stiegen, es konnten auch immer wiederkehrende Feinde sein, mit denen die Charaktere eine besondere Haßliebe verband. Natürlich waren auch die späteren Star-Trek-Serien nicht vor den Autorinnen sicher. Da wurde Picard mit Riker oder Q ins Bett gesteckt, Sisko durfte Gul Dukat ganz lieb haben... Für Babylon 5 sind mir Garibaldi/Sinclair oder Marcus/Lennier-Geschichten bekannt. Was können die Autorinnen nun eigentlich beschreiben? Zum einen geht es da um das Erkennen, daß man den anderen liebt und die durcheinandergewirbelte Gefühlswelt, der Weg den anderen ins Bett zu kriegen wird beschrieben, die kleinen Eifersüchteleien, Vertrauensbrüche und anderen Schwierigkeiten wie in jeder Partnerschaft. Dann gibt es die "Hurt & Comfort"-Geschichten, in denen einer der Partner von den Feinden gequält wird, so daß der andere ihn retten und trösten muß. Kurzum all die Facetten, die es auch in Hetero-Geschichten gibt, nur daß der Part der Frau dann von einem der Männer übernommen wird (bei Frauenpaaren - die sind hier sehr selten - natürlich umgekehrt).
Im Rollenspielbereich halten sich die Autoren und Designer eher bedeckt: AD&D und andere Klassiker der amerikanischen Rollenspielszene halten immer noch energisch an den alten Rollenbildern fest und lassen wenn, Homosexuelle in der Bösenriege auftauchen oder sonst wie verwerflich handeln. Bei DSA gibt es Lesbenpaare, und mit dem Thema Homosexualität wird im Allgemeinen etwas lockerer umgegangen, wenn es aus Jugendschutzgründen auch nicht an die große Glocke gehängt wird.
Die Storyteller-Systeme wie "Vampire" bieten hingegen ein großes Potential für homosexuelle Charaktere - schon der Akt der Erschaffung eines neues Vampirkindes ist ein sehr intimer Vorgang, und die Verbundenheit zwischen beiden kann durchaus mit zu einer solchen Partnerbindung führen. Wie stark das in solchen Spielen wie "Cyberpunk" oder "Shadowrun" thematisiert werden kann, weiß ich nicht, da ich zu wenig von beiden weiß.
Letztendlich kann ich festhalten, daß sich in den letzten Jahren viel um das Thema getan hat, wenn auch noch nicht in allen Bereichen, aber es hat sich doch so manches zum Besseren gewendet. Damit will ich auch meinen kurzen Streifzug enden.
(c) 7/98 (daher noch ADR)