Genre: Drama, Angst, Mystery, Darkfic, Episoden-Tag
Rating: PG-15, da CD
Charakter/Pairings:John Sheppard, Teyla Emmagan, Kate Heightmeier
Staffel/Spoiler: Staffel 4, Folge 4 “Doppelgänger”
Kurzinhalt: Es gibt Schatten, Stimmen und Gedanken in einem selbst, gegen die ist auch eine erfahrene Therapeutin machtlos, wie Kate Heightmeier schmerzvoll erfahren muss. Hier geht es zu Teil 1
Disclaimer: Stargate Atlantis und SG-1 und alle Stargate Charaktere sind Eigentum von MGM/UA, Double Secret Productions, Gekko Productions und dem SciFi Channel. Diese Fanfiction wurde lediglich zum Spaß geschrieben und nicht um damit Geld zu verdienen.
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John Sheppards Blick war wie der einer Schlange.
Kalt. Fixierend. Hungrig. So wie ihn ihr Teyla in ihrer letzten Sitzung beschrieben hatte.
„Nein...“ Kate schüttelte heftig den Kopf und spürte, wie sie ihre Fassung und die Kontrolle über sich wieder verlor. „Das sind sie nicht. Sie belügen mich.“
Sie entzog sich seinen kalten und ausdruckslosen Starren, indem sie zur Seite blickte. Ihre Hände, ja ihr ganzer Körper verkrampfte sich. Sie wollte schreien und laufen, aber sie konnte es nicht. Ein Teil von ihr wollte sich keine Blöße geben, wollte weiter kämpfen und all dem auf den Grund gehen, um größeres Unheil zu verhindern.
Elizabeth Weir, die ehemalige Leiterin der Expedition hatte sie im ersten Jahr einmal gebeten ein Auge auf John Sheppard zu haben. Während des großen Sturm, den eine Gruppe von Genii unter der Führung von Acastus Kolya genutzt hatten, um die auf Atlantis verbliebenen Expeditionsteilnehmer als Geiseln zu nehmen und sie zu erpressen, ihnen die Stadt und die Technik zu überlassen, musste etwas geschehen sein, dass auch eine andere und viel dunklere Seite John Sheppards enthüllt hatte. Trat der kaltblütige Soldat wieder in ihm zum Vorschein, oder vielleicht noch mehr als das?
Noch abgründigere Züge eines Mannes, zu dessen Beruf auch das Töten gehörte? Die Absicht andere damit zu schützen, täuschte nicht darüber hinweg, dass er bereits unzählige andere Leben genommen hatte – und das hinterließ bei jedem Spuren.
Das Zittern kehrte zurück, ebenso wie die Beklemmung. Eigentlich wollte sie gar nicht mehr wissen oder die ganze Sache analysieren. Sie hatte einfach nur noch ...
„Kommen Sie, ich kümmere mich um sie. Sie sind wirklich nicht in Ordnung und brauchen ärztliche Hilfe Dr. Heightmeier.“ Der dunkelhaarige Mann trat langsam wieder näher. Für jeden Außenstehenden wirkte er besorgt und so als wolle er sie beruhigen.
Allein Kate hörte den bösartigen und lauernden Tonfall in seiner Stimme und sah das hämische Funkeln in ihren Augen. Er schien sich ja geradezu an ihrer Furcht zu weiden und zu genießen, dass sie nur noch ein Nervenbündel war.
Seine Hand näherte sich ihrem Arm. Und da war es wieder – das rote Mal, der Mund, der ihre Lebenskraft verschlingen würde.
„Nein!“ Kate wich zurück.
Noch in der Bewegung drehte sie sich um und rannte los, auch wenn sie dabei fast über ihr Nachtgewand gestolpert und gestürzt wäre. Er würde sie nicht bekommen, so lange sie noch fähig war, vor ihm davon zu laufen!
„Hilfe!“ schrie sie und lief, so schnell sie konnte, um möglichst viel Distanz zwischen sich und ihm zu bringen. „Bitte helft mir!“
Doch die Gänge blieben leer. Niemand kam ihr entgegen oder kreuzte ihren Weg, also gab es auch keinen, der ihren Verfolger aufhalten konnte. Immer wenn sie hastig nach hinten blickte, sah sie John Sheppard dicht hinter sich – gerade so weit, dass er sie nicht aus den Augen verlor, aber auch nicht packen konnte. Wände und Fenster, auch Abzweigungen flogen an ihr vorbei. Ihr war nicht wichtig, wo sie hinlief, sondern nur, dass sie ihn endlich hinter sich lassen konnte.
Aber genau das geschah nicht. Der Abstand verringerte sich ebenso wenig wie er größer wurde. Und es schien ihn nicht einmal anzustrengen, hinter ihr her zu laufen, während Kate spürte, dass ihr schon bald die ungewohnte sportliche Betätigung zu schaffen machte.
„Hilfe! Warum hört mich denn keiner?“ schrie sie noch einmal aus voller Kehle. Doch der Ruf blieb erneut unbeantwortet.
Wo waren die anderen ... die Techniker, die Soldaten? Die ganz normalen Menschen, die sonst die Korridore von Atlantis bevölkerten? Ein schrecklicher Verdacht keimte in ihr auf.
Hatte er die anderen vielleicht bereits getötet?
Es gab mehrere Möglichkeiten, Gas ausströmen zu lassen, um Angreifer lahm zu legen. Er hatte das Wissen über die Verteidigungsanlagen und die Berechtigung, sie auszulösen und gegebenenfalls auch umzuprogrammieren. Und dann...
„Aaah!“ Sie bremste gerade noch rechtzeitig vor einer Tür ab, die ihr plötzlich den Weg versperrte. Fast atemlos vor Anstrengung drehte sie sich um und gab nur einen erstickten Laut – irgendwo zwischen Erleichterung und Erschöpfung von sich, denn ihr Verfolger war nicht mehr zu sehen und auch nicht zu hören.
Doch genau das musste nichts heißen!
Aber sie hatte nun eine Chance mehr, denn hinter dem Schott befand sich einer der Zuggänge zum Kontrollraum. Dort würde sie in Sicherheit sein, denn dort hielt sich immer jemand auf. Und wenn nicht, dann konnte sie über die Kommunikationsanlagen jemanden rufen!
Hektisch bewegte sie ihre Hand vor den Sensoren an der Wand auf und ab, atmete in Erleichterung auf, als sich die Tür mit einem Zischen öffnete. Doch die Hoffnung schwand mit dem ersten Windstoß, der sie erfasste, Haar und Nachthemd aufwirbelte.
„Nein ... oh nein...“
Kate Heightmeyer stand fassungslos in der Tür und starrte auf den Balkon hinaus, der such vor ihr erstreckte. Er lag in luftiger Höhe und gehörte zu denen am Kontrollturm von dem aus man das Stadtschiff am besten überblicken konnte.
Zu einem anderen Zeitpunkt hätte sie sich über den Anblich gefreut, denn das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite. Am Himmel war keine Wolke zu sehen und der laue Wind kühlte die Wärme der Sonnenstrahlen etwas ab. Aber heute konnte sie das nicht, denn sie war in ihrer Panik vermutlich in die falsche Richtung gelaufen. Hier draußen saß sie in der Falle.
Wenn Sheppard ihr gefolgt war, und das war er sicher, dann konnte sie ihm nicht mehr entkommen. Sie musste...
„Dr. Heightmeier... hören sie mich an. Was auch immer sie vorhaben, tun sie das nicht!“
Die Stimme ging ihr durch Mark und Bein, Ebenso wie die Gewissheit: Es war zu spät!
Sie fuhr zusammen, als sie eine Bewegung aus den Augenwinkeln wahr nahm und wich über den Balkon bis zur Brüstung zurück.
„Sie müssen wirklich keine Angst vor mir haben. Kommen sie...“
Genau wie er es am Nachmittag gegenüber dem geistig durcheinander geratenen und irrational handelnden Major Lorne im Kontrollraum getan hatte, streckte John Sheppard die Arme aus, mit den Handflächen nach vorne und weit entfernt von der Pistole und dem Messer, die er am Gürtel trug. Seine Stimme war einschmeichelnd und sanft, seine Augen voller Wärme.
Und NICHTS an ihm war Wraith.
Doch Kate traute ihm nicht über den Weg. Die Furcht und das Misstrauen blieben und kontrollierten auch weiterhin ihren Körper.
Kate schüttelte den Kopf und versuchte die Benommenheit zu verdrängen, die ihren Geist wie einen Nebel umhüllte, weil sie einfach nicht mehr wusste, was sie tun sollte. Sie drängte sich näher an die Brüstung und spürte wie die Streben eines Stützpfeilers, der das Dach trug in ihren Rücken drückte.
Ihr Verstand horchte auf. Weshalb wollte sie noch immer fliehen? Er hatte doch gezeigt, dass er es gut meinte. Deshalb suchte sie seinen Blick
Wieder konnte sie seinem Blick nicht ausweichen. Funken tanzten in seiner Iris. Bläulich und kalt wie Licht, dass von den Facetten eines geschliffenen Juwels nur wenig gebrochen wurde.
* Er täuscht dich nur* , wisperte da eine Stimme in ihr, rau und heiser wie das Rascheln der Blätter. *Es gibt nur eine Rettung vor dem Bösen in dieser Kreatur. Nimm sie nun endlich wahr.* Kate schloss die Augen, um den hypnotischen Starren zu entgehen. Das Wispern in ihr blieb jedoch. * Es ist ganz einfach. Du hast längst erkannt, welchen Weg du gehen musst. Er liegt offen vor dir.*
Ja, das war es!
Neue Tatkraft erfüllte sie. Kate fand ohne Hinzusehen und weiter darüber nachzudenken die Punkte, an denen sie auch mit bloßen Füßen auf die Brüstung steigen konnte, ohne sich zu verletzen. Sie hielt sich an dem Stützpfeiler fest und fühlte sich so frei wie ein Vogel. Hierhin konnte und würde er ihr nicht folgen, dessen war sie sich sicher.
Angst und Furcht schwanden mit einem Male und sie wurde ganz ruhig. Während sie tief ein und ausatmete, versuchte sie wieder einen klaren Gedanken zu fassen. Es war so einfach, sich auf eine Überlegung zu fixieren.
Eine plötzliche Bö ließ ihr Nachtgewand flattern und wehte ihr Haare vor das Gesicht, so dass sie die Gestalt vor sich, nur so undeutlich wie durch einen Schleier sehen konnte.
Dann plötzlich stieg Verwirrung in ihr auf und Kate verstand die Welt nicht mehr. Ihr wurde heiß und kalt zugleich.
Warum stand sie auf der Brüstung des Balkons, wo sie jeder heftige Windstoß in die Tiefe reißen konnte und jeder unsichere Schritt den Fall in den sicheren Tod bedeuten konnte?
Himmel Was tat sie da nur?
Wie war sie hier hinauf gekommen?
Wurde sie beeinflusst? Oder hatte sie in ihrer Verzweiflung bereits einen Punkt überschritten, in dem ihre Instinkte den Wunsch ausgeschaltet hatten, überleben zu wollen. Bei manchen suizidgefährdeten Patienten konnte das durchaus vorkommen. Ihnen dann noch den Weg zurück ins Leben zu zeigen, war mehr als schwierig.
Sie selbst stand nun buchstäblich auf dem schmalen Grat zwischen denen, die nur immer wieder darüber sprachen, sich das Leben zu nehmen, weil sie nicht anders gelernt hatten, mit ihrer Hilflosigkeit umzugehen und um Hilfe zu rufen, und den anderen, die ihren Überlebenswillen längst ausgeschaltet hatten und bereit dazu waren, den entscheidenden Schritt zu gehen – als letzte Konsequenz .
Doch sie war darin ausgebildet, solche Krisen zum Guten zu wenden. Also konnte und würde sie nun auch sich zurück führen. Auf den Boden zurück und damit in das Leben.
Doch so einfach wie sie hoffte war es nicht. Als sie den Versuch wagte, stellte sie fest, dass ihr Verstand längst nicht mehr die Kontrolle über ihren Körper besaß, zumindest nicht über die entscheidenden Teile. Sie hatte die Absicht sich besser festzuhalten und einen Weg zurück auf den sicheren Boden zu suchen, aber etwas hinderte sie daran genau das zu tun.
Während sie noch mit ihren nicht gehorchen wollenden Gliedern kämpfte, sah sie plötzlich wieder auf und bemerkte, dass sich etwas verändert hatte.
Wie konnte das sein?
Nicht mehr Colonel Sheppard stand auf dem Balkon und sah zu ihr hinauf, jetzt war es Teyla Emmagan, die Athosianerin, die ihr inzwischen vertrauter war als die meisten Erdenwohner. Und sie wirkte gleichzeitig bestürzt und besorgt.
„Kate... Bleiben sie ganz ruhig und dort wo sie sind. Warten sie ... ich helfen ihnen wieder herunter.“
Diese Stimme klang ganz anders und wie von einem echten Menschen. Doch auch das konnte eine Täuschung sein. Aber nein! Nur für einen Moment glaubte Kate, dass John Sheppard eine andere Gestalt angenommen habe – aber ihre Gefühle sagte etwas ganz anderes. Teyla war zu einer so guten Freundin geworden, fast schon einer Seelengefährtin, mit der sie auch hin und wieder die Freizeit verbrachte.
Niemand konnte ihren Platz einnehmen, ohne dass sie es bemerken würde. Und auch jetzt war die Athosianerin gekommen, um ihr zu helfen – sie zu retten.
Der Psychologin schossen die Tränen in die Augen, während die Hoffnung in ihr wieder wuchs. Sie war nicht mehr allein in der Gewalt dieses irren Psychopathen.
„Bitte...“, flüsterte sie und es klang wie ein Schrei in ihren Ohren. „Hilf mir. Ich will das nicht ...“
Im nächsten Moment sah sie eine Bewegung in den Schatten neben einer der hohen Pflanzen, die den Balkon zierten. Dann blitzten die durchdringenden Augen im Hintergrund wieder auf und eine hoch gewachsene Gestalt trat lautlos hinter Teyla, die sein Kommen nicht einmal bemerkte.
Kate wollte schreien, die junge Athosianerin warnen, aber sie vermochte keinen Laut hervor zu bringen. Die Angst kehrte zurück, mächtiger als zuvor und lähmte sie so sehr, dass sie das Kommende nur hilflos mit ansehen konnte.
Starke Arme schlossen sich wie Schlingpflanzen von hinten um Teyla und rissen sie ein paar Schritte zurück. Obwohl sich die Kriegerin wehrte, entkam sie der Umklammerung ihres Gegners nicht.
‚Nein, so darf es nicht enden!’ Kate kämpfte, gegen die Verzweiflung an, aber nicht einmal ein Laut kaum über ihre Lippen. Ihr Geist aber schrie gellend auf. Sheppard flüsterte indes etwas in Teylas Ohr, was die Psychologin nicht verstehen konnte und lenkte so die Aufmerksamkeit der Athosianerin auf sich.
Seine Umklammerung wirkte nun fast wie der eines Liebenden und zugleich obszön. Genau wie sein raubtierhaftes Grinsen. Und sie spürte, wie er sich an den Gefühlen der beiden Frauen weidete wie ein psychopatischer Schwerverbrecher. Denn hier und jetzt hatte er die Szene unter seiner vollständigen Kontrolle.
* Merkst du nicht, dass sie alleine sein wollen? * wisperte etwas dicht an ihrem Ohr, und es war nicht der Wind. *Wie kannst du sie nur stören?*
Das war eine Lüge. Genau das Gegenteil war der Fall. Auch Teyla war in Gefahr und vor allem: Für Kate war eindeutig zu erkennen, dass er sie nur zurück hielt und nun aus der Reichweite zog, in der Teyla noch hätte eingreifen können.
Mit einem Mal durchschaute Kate Heightmeier ihn.
John Sheppard, das was ihn beherrschte ... oder seine Gestalt angenommen hatte war die Stimme. Er oder es kontrollierten ihren Körper und flüsterten auf sie ein. Und auch er erkannte, dass sie ihn durchschaut hatte. Nun verbarg er den boshaften Zug in seinem Gesicht nicht mehr. Zufriedenheit trat in die kalten Augen.
Nein, es war Gier. Er trank förmlich ihr Entsetzen und ihre Hilflosigkeit, ihre tiefgründige Angst und Verzweiflung als wäre das, was er zum Leben brauchte und nicht ihre einfache Lebenskraft.
*Gib mir mehr!*, sagten seine Augen und sein Geist. *Ich will alles, was du davon hast und ich werde keine Ruhe geben, bis ich es bekommen habe. Erst dann lasse ich dich in Ruhe. Erst dann gebe ich dich frei.* Licht brach sich in den kristallenen Augen, die nur für einen winzigen Augenblick sichtbar waren und verrieten ihr die Wahrheit.
Kate wollte schreien und die Athosianerin warnen, mit was für einer großen Gefahr sie es hier zu tun hatten, aber mehr als ein klägliches „Bitte, Teyla ... ich ... nicht“, und ein Wimmern brachte sie nicht heraus. Auch nicht in dem Augenblick, als sie spürte, dass etwas mit sanfter Gewalt ihre Finger zurückbog und ihr den letzten Halt nahm.
Patienten hatten ihr das Gefühl des freien Falls oft genug beschrieben. Kate Heightmeier lernte es nun in seiner vollen, schrecklichen Schönheit kennen und ergab sich ihm. Welche andere Wahl hatte sie jetzt noch, wo die letzte Grenze überschritten war?
Teyla Emmagan und John Sheppard – oder die Wesen, die sie verkörperten, waren nicht mehr wichtig, nur noch der Wind um sie herum. Quälend langsam fiel die Psychologin nach hinten. Unwillkürlich breitete sie die Arme aus, doch es gelang ihr nicht mehr, sich zu drehen und dem entgegen zu sehen, was sie erwartete.
Vielleicht war es auch besser den blauen Himmel und die Sonne über sich erblicken, die Gebäude, die im Sonnenlicht schillerten und das gesamte für menschliche Augen sichtbare Farbenspektrum wiedergaben. Die Stadt war nicht nur metallen grau und blau, sondern von einer lebendigen Schönheit.
So wie die Seevögel, die sich die fremdartige Insel als neue Heimat erkoren hatten und sie nun krächzend umkreisten, als wunderten sie sich über die neue Gefährtin.
Der Fall in die Tiefe schien kein Ende zu nehmen und eine Ewigkeit zu währen. Und für einen Moment wünschte sie sich, dass er niemals enden möge, während ein anderer Teil ihres Wesens versuchte das Unvermeidliche aufzuhalten und den Körper zu letzten Reaktionen zwang.
Vielleicht huschten Bilder ihres Lebens an ihrem inneren Augen vorbei, aber Kate nahm sie nur noch als flüchtige Schatten wahr, genau so wie der endlose Schrei aus ihrem Mund, der vom Rauschen des Windes verschluckt wurde.
Sie wusste nur eines: Sie hatte es endlich überstanden – Furcht und Verwirrung waren auf einmal wie weg gewischt und sie fühlte sich wieder so ruhig und sicher wie zuvor. Sie würde keine Panikattacken mehr fürchten müssen, keine Bedrohungen und Gefahren. Sie bedauerte alleine, dass sie die anderen Expeditionsteilnehmer nicht mehr vor dem Wesen warnen konnte, dass sich unbemerkt in ihre Mitte geschlichen und die Gestalt vertrauter Menschen angenommen hatte. Aber vielleicht tat sie es ja gerade durch ihren Tod.
Sie hoffte, das er nicht ganz sinnlos sein würde – aber die Hoffnung war manchmal einfach nur trügerisch. So wie sie es eben selbst erlebt hatte.
‚So sterbe ich also. Nicht durch physische Gewalt während eines Konfliktes, oder friedlich als alte Frau in einem Bett, sondern im freien Fall umgeben von einem Ort, der in seiner bizarren Schönheit wie das Konstrukt eines Wahnsinnigen wirkt’, waren ihre letzten Gedanken. ‚Aber ich bin jetzt endlich jenseits der dunklen Seite der Angst, die die anderen noch erwartet. Hoffentlich finden sie einen Weg, ihr zu begegnen, denn ich kann meinen Teil nun nicht mehr dazu beitragen ...’
* + * + *
Kate Heightmeyer spürte schon nicht mehr, wie der Aufprall auf eine der Plattformen die Knochen in tausend Stücke zersplittern und dabei Muskeln, Nerven und Organe durchbohren ließ. Ihr Herz war längst geborsten, da sich ihr Körper – der noch immer auf dem Bett in ihrem Quartier ruhte - in einem letzten Aufbäumen gegen den immensen Stress des Todestraumes gewehrt und einen schweren Infarkt ausgelöst hatte.
09.04.2009 by Kris